Leben ohne Kunststoff

Last updated on 7. Mai 2021

Ein Leben ohne Kunststoff – ein Selbstversuch

Seid einmal ehrlich. Ist euch schon einmal aufgefallen, wie stark unser Leben mittlerweile von Kunststoff durchzogen ist? Klar wissen wir über die vermüllten Meere und über die Plastiksackerl in den Mägen von leidtragenden Tieren Bescheid. Aber habt ihr euch einmal darüber Gedanken gemacht, wie viel jeder von uns zu dieser Situation beiträgt? Schuld haben ja meistens die anderen, jedenfalls wird dies oft so empfunden. Bis heute habe ich dies auch so wahrgenommen, aber wie viel Plastik geht wirklich auf mein Konto? Vielleicht ist auch etwas Kunststoffabfall von mir an Senegals Küsten. Dort wird täglich viel Müll angeschwemmt, ein Schock für uns Europäer. Aber ehrlich gesagt, sind wir ALLE mit schuld an dieser Situation.

Ich für meinen Teil möchte den Versuch starten, zumindest einmal eine Woche nichts zu kaufen, was Kunststoff enthält oder darin verpackt ist. Klingt etwas unrealistisch? Ist es auch. Aber es wird meine Sichtweise ändern, meine Achtsamkeit für die Zukunft positiv verändern und ich denke, dies hört sich nach einem guten Schritt in die Zukunft an.

Ausschlaggebend für diesen Selbstversuch war die Erkenntnis, dass in meiner Schokoladenpackung mehr Kunststoff als Schoko enthalten ist (das ist pervers, oder?). Zusätzlich wurde ich nach einem Facebook-Eintrag von lieben Freunden dazu ermuntert, der Frage ob ein Leben ohne Kunststoff möglich ist, selbst nachzugehen. Eine Herausforderung wird es auf jeden Fall. Aba he, thats life 😉

Tag 1 – Ein Leben ohne Kunststoff

Leute ich sags euch, auf was habe ich mich da wieder eingelassen ^^ Heute habe ich tapfer den ersten Tag im Selbstversuch „Ein Leben ohne Kunststoff“ hinter mich gebracht. Schon kurz nach dem Aufstehen lachten mir lauter Gegenstände aus Kunststoff entgegen. Von der Zahnbürste angefangen, über Zahnpastatuben bis hin zu Duschgelflascherl, Gesichtspeeling, etc. Na das kann ja heiter werden. Wenigstens sind unsere Wattestäbchen seit jeher ohne Kunststoff.

Das Frühstück vom Bäcker war (ganz easy) im Papiersackerl und der Tee im Büro ist auch biologisch. Zu Mittag musste ich jedoch in den Supermarkt und hier war die Auswahl schwindend gering. Mein Mittagessen bestand aus einem Apfel und einer Semmel. Bei Käse, Milchprodukten und Naschsachen hatte ich überhaupt keine Chance, irgendetwas Kunststofffreies zu finden. Es gab keine einzige Kekspackung für mich :‚(

Das Tüpferl auf dem i war dann noch der Anruf vom besten Ehemann von allen: „Schatz, wir brauchen ein Scheißhauspapier“. Na gut, das kann ja kein Problem sein. Schließlich steckt ja schon das Wort „Papier“ drinnen. Leute ich sags euch. Ich bin von Pontius zu Pilatus gerannt, um ein Toilettenpapier ohne Kunststoffverpackung zu bekommen. Zu guter letzt fuhren wir sogar noch ins Metro. Auf die Frage, ob es denn Toilettenpapier in Papierverpackung gibt, erwiderte die Verkäuferin erstaunt: „ne, so was hamma net. Des gibts nur in Plastikverpackung“. Als einzige Alternative gab es Papierhandtücher in Karton, wobei sich Peter gleich zu Wort meldete: „des kannst vergessen, die verstopfn nur des Klo“. Schließlich musste ich mich dem quälenden Blick meines Mannes geschlagen geben, weil Scheißhauspapier ist nun mal alle und wir brauchen JETZT eines.

Bereits am ersten Tag musste ich die Erfahrung machen, dass ich von meinen Vorräten zu Hause mehr als abhängig bin. Bei bestimmten Dingen gibt es einfach keine Alternativen. Beispielsweise beinhalten die Blister von Tabletten Kunststoff und Salben besitzen einen Kunststoffschraubverschluss (was mich wieder an die Problematik mit der Zahnpastatube erinnert …).

„An apple a day, keeps the doctor away“. Jaja, schön und gut. Aber ein lausiger Apfel gibt auch nicht viel her. Deshalb bestell ich mir jetzt eine Pizza, und die kommt schließlich im Pappkarton 😛

Tag 2 – Ein Leben ohne Kunststoff

Der heutige Tag lief schon besser. Gestern im Metro fand ich einen Karton voller Äpfel und heute noch Knäckebrot im Büro. Bei Knäckebrot kauft ihr am besten Wasa, da dies in Papier verpackt ist. Zusätzlich machte ich noch die Entdeckung, dass die Firma Barilla alle Nudeln in Kartons ohne Sichtfenster verkauft (Wasa gehört übrigens Barilla ^^). Fündig wurde ich noch bei den Eierbiskotten von Manner. Hier ist die Verpackung aus Karton und innen aus Papier. Der Streifen als Öffnungshilfe zerstört jedoch ein bisschen die Optik, da dieser so wie es aussieht aus Kunststoff ist.

Und im Internet habe ich einen sehr interessanten Blog zum Thema Kunststoffverzicht gefunden (dort wird übrigens auch das Dilemma mit dem Toilettenpapier behandelt 😉 :

In den nächsten Tagen (es wird ja sicher bald wieder regnen) werde ich mir etwas Zeit nehmen, und die Website in Ruhe durchstöbern.

Interessant finde ich die Tatsache, dass nur weil ein Produkt bio ist, die Verpackung nicht automatisch ökologisch ist. Ehrlich gesagt war ich sehr erstaunt, wie viele Produkte im Bioladen in Kunststoff verpackt sind. Zusätzlich hat mich der Peter darauf aufmerksam gemacht, dass Konservendosen innen mit Kunststoff beschichtet sind und sogar die Deckel bei den Gläsern zumeist eine Kunststoffbeschichtung besitzen. Sogar Rexgläser sind streng genommen nicht erlaubt, weil da ja bekanntlich ein Gummi drauf ist.

Tag 3 – Ein Leben ohne Kunststoff – verblüffende Reaktionen

Heute kann ich nicht viel berichten. Die Supermärkte habe ich links liegen gelassen und den Wochenendeinkauf auf morgen verschoben. Donnerstags und Samstags ist immer Markt am Domplatz in StP und da rechne ich mir bessere Chancen in der Beschaffung aus 😉 Zwar kaufen wir bereits seit Langem unser Gemüse am Wochenmarkt (hier bekommt man genau jene Mengen, die man wirklich benötigt), aber morgen werde ich auch gezielt wegen Milchprodukte schauen. Bis jetzt stehe ich vor dem großen Problem, dass alle bisher gefundenen Verpackungen von Milchprodukten aus Kunststoff bestehen oder zumindest einen Kunststoffverschluss haben (von möglichen Beschichtungen einmal abgesehen). Einzige bisher gefundene Ausnahme ist das Fruchtjoghurt von Landliebe, das ist im altbewährten Pfandglas 🙂

Und hier noch ein Tipp, den ich heute erhalten habe:

Zwar werden beim Hofer auch für die Milchprodukte Kunststoffverpackungen verwendet, aber bei Gemüse verwenden sie eine biologisch abbaubare Folie. Wie erkennt man als Laie eigentlich, ob Gemüse in Kunststoff- oder biologisch abbaubare Folie verpackt ist?

Das Thema „ein Leben ohne Kunststoff“ dürfte anscheinend auf breites Interesse stoßen. Innerhalb kurzer Zeit erhielt ich über mehrere Informationskanälen viele Zusprüche und auch ein paar Anfragen. „Mitn Redn kumman Leit zamm“ wird mittlerweile tragend und die ersten Tipps werden ausgetauscht. Wenn auch du einen coolen Tipp hast, wie man Kunststoff vermeiden kann, dann nur her damit 😉

Tag 5 – Ein Leben ohne Kunststoff – Alternativen

Ein Leben ohne Kunststoff ist nur schwer möglich, jedoch gibt es viele Alternativen, um Kunststoff zu vermeiden bzw. zumindest zu reduzieren. Unseren Wocheneinkauf erledigten wir (wie bereits angekündigt) am Wochenmarkt. Bestückt mit robusten Einkaufstaschen und Tuppergeschirr für die Weintrauben konnten wir den gesamten Einkauf ohne Plastiksackerl bewerkstelligen.

Wenn jemand aus dem Raum St. Pölten Interesse daran hat, Milchprodukte ohne Kunststoffverpackung zu kaufen, wird hier fündig:

Jetzt habe ich endlich wieder Milch (Glasflasche) im Kühlschrank und sogar ein Naturjoghurt (ebenfalls Glas). Außerdem gibts bei Evi Brotaufstriche in Glas. Eine noch größere Auswahl an Brotaufstrichen habe ich jedoch hier entdeckt:

Bei Prokopp gibts auch sehr gute Seifen ohne Verpackung. Eine Mohnseife mit Peelingeffekt wird in Zukunft mein Gesichtspeeling ersetzen (die meisten Gesichtspeelings beinhalten Kunststoffgranulat).

Da ich liebend gerne Cookies esse, diese aber nicht ohne Kunststoffverpackung zu erhalten sind, haben wir kurzerhand selbst welche gebacken. Die selbstgemachten Cookies schmecken viiieeeel besser als die gekauften 😀 Ganz ohne Kunststoff ist dies jedoch auch nicht möglich, da Backpulver und Vanillezucker in Kunststoff verpackt sind …

Witzig finde ich, dass es seit ein paar Tagen zum Teil gehässige Kommentare hagelt. Es wird gefragt, ob ich von nun an Barfuß in die Arbeit gehe oder ich erhalte den Vorwurf, dass selbst Essengehen nicht ohne vorherige Kunststoffverpackung möglich ist. An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ein 100%iger Verzicht von Kunststoff nicht möglich ist, schon alleine deswegen, weil nicht alles nachkontrolliert werden kann. Außerdem geht es bei diesem Selbstversuch – wie der Name schon sagt – um einen Versuch, einmal ohne Kunststoff auszukommen. Ich sehe diese Sache sehr locker und versuche einfach, für mich selbst Alternativen zu finden, um unnötigen Kunststoff zu vermeiden. Dieser Blog dient lediglich dazu, den Interessierten meine Erfahrungen mitzuteilen. Und wer sich daran stört, muss diese Zeilen ja nicht lesen 😉

Tag 7 – Ein Leben ohne Kunststoff – geschafft 🙂

So das war sie also, die Challenge, eine Woche nichts mit Kunststoff zu kaufen. Mit allen Höhen und Tiefen ist die Woche eigentlich halbwegs schnell vergangen. Mir persönlich wurde bewusst, dass mein bisheriger Lebensstil viel zu viel Kunststoff verbraucht hat. Vor allem jener, welcher kurz nach dem Einkauf wieder in der Tonne landet. Klar habe ich auch schon in der Vergangenheit versucht, Plastiksackerl zu vermeiden. Aber aus Bequemlichkeit und Faulheit landete der Einkauf dann doch wieder im unnötigen Plastiksackerl. Ich für meinen Teil werde in Zukunft verstärkt darauf achten, solche Teile wirklich zu vermeiden. Auch habe ich mir es mittlerweile angewöhnt mir Fragen zu stellen, ob ein Teil wirklich aus Kunststoff sein muss, ob es nicht Alternativen dazu gibt, und ob ich das Teil überhaupt so unbedingt benötige. Sehr oft kommt als Ergebnis, dass ich dann nichts kaufe 😉

Die Milch möchte ich beispielsweise weiterhin in der Glasflasche kaufen. Vor allem deswegen, weil ich in meinem Leben noch nie so eine gute Milch getrunken habe 😀 Lediglich an das Mindesthaltbarkeitsdatum muss ich mich erst gewöhnen, da hier die Fristen viel kürzer angesetzt sind. Zusätzlich gibt es so viele leckere Säfte in Glasflaschen, hier kann ich also auch locker die Kunststoffverpackung einsparen.

Für alle Teeliebhaber kann ich noch die Firma Sonnentor empfehlen. Die Verpackungsfolie der Teepackungen ist nicht aus Kunststoff sondern ist biologisch abbaubar. Wenn man die Teepackung etwas genauer unter die Lupe nimmt, findet man auch einen kleinen aufgedruckten Hinweis 😉

Für alle Wiener unter euch habe ich noch einen Tipp erhalten. in der Maß Greißlerei wird alles in offenen Gebinden verkauft. Das bedeutet, dass man mit eigenen Behältern einkaufen geht und sich die dort mit tollen Sachen befüllen lassen kann. Für mich als St. Pöltner eignet sich diese Variante in dem Fall nur bedingt, da ich einen sehr weiten Weg nach Hause habe und somit die Kühlkette der Lebensmittel nicht eingehalten werden kann.

Generell muss man aufpassen, dass man jetzt nicht in 10 verschiedene Läden fährt, um Kunststoff zu vermeiden. Wenn man dem gegenüber den Spritverbrauch etc. berücksichtigt, zahlt sich eine Alternative dann vielleicht nicht mehr aus. Klar gibt es auch noch das gute alte Fahrrad, aber das ist bei gewissen Distanzen kaum mehr möglich. Ich glaube es geht in erster Linie darum, mit dem Hausverstand zu entscheiden, welche Produkte man wirklich benötigt und in welchen Fällen Alternativen sinnvoll sind.

Eine Anfrage an die Firma „Danke“ werde ich aber jedenfalls noch verfassen. Sie rühmen sich mit 100% recyceltem Toilettenpapier und dann wird das ganze in Kunststoff verpackt. Selbst Aussagen wie „hohe Hygienevorschriften seitens EU“ oder „stellen Sie sich vor, die Packung würde in den Dreck fallen“ lasse ich hier nicht gelten. Wenn beispielsweise die biologisch abbaubare Folie für die Teeverpackungen von Sonnentor oder für das Gemüse bei „Ja Natürlich“ oder „Zurück zum Ursprung“ ausreichend ist, dann muss dies auch für Toilettenpapier ausreichend sein. Und der Hausverstand sagt einem schon, dass Toilettenpapier sicherlich keinen höheren Hygienestandard als Lebensmitteln benötigt 😉